Das Porträt - Mit Fahrgefühl und Hilfsbereitschaft

Veröffentlichung im Achimer Kurier 05.12.2018

Das Porträt Mit Fahrgefühl und Hilfsbereitschaft von Lars Köppler

Seit 2012 engagiert sich Rolf Schulze als Fahrer und inzwischen auch als Fahrdienstleiter beim Ottersberger Bürgerbusverein. Die Kollegen schätzen besonders die hilfsbereite und zugewandte Art des 67-Jährigen.

BB News05 12 2018

Rolf Schulze ist Bürgerbusfahrer aus Leidenschaft und Überzeugung. (Karsten Klama) Für seinen neuen Job nach 45 Dienstjahren im Ottersberger Rathaus nimmt Rolf Schulze kein Geld, er macht ihn aus Leidenschaft und Überzeugung. Weil er vor allem betagten und nicht mehr mobilen Menschen gerne dabei behilflich ist, sicher und pünktlich von A nach B zu kommen, fährt er seit 2012 zwei bis drei Mal in der Woche den Ottersberger Bürgerbus. „Ich schaue, wo im Dienstplan etwas frei ist und stopfe Löcher“, erklärt der 67-Jährige, der in dem Verein seit 2014 auch gleichzeitig den wichtigen Posten des Fahrdienstleiters ausübt. „Ich sitze auch gerne am Computer und beschäftige mich mit Excel-Tabellen“, fügt Schulze hinzu.


Sinnvoller Zeitvertreib

Lange habe er derweil nicht überlegen müssen, als Freunde ihm das Bürgerbusfahren als sinnvollen Zeitvertreib für den Ruhestand angeraten haben, betont Rolf Schulze, der vom 1. Juni 1969 bis zum 30. Juni 2012 weit mehr als vier Jahrzehnte beim Flecken Ottersberg als Verwaltungsfachkraft im Fachbereich Finanzen beschäftigt war. Ottersberg ist für den gebürtigen Stuckenborsteler in all diesen Jahren zu einer echten Heimat geworden. Daher fühlte sich Rolf Schulze auch dazu berufen, sich hier nach dem Berufsleben ehrenamtlich einzubringen. Freilich ist er in dem Verein in guter Gesellschaft, denn Schulze ist einer von 36 Fahrern, die einen Teil ihrer Freizeit für das Gemeinwohl opfern. „Wir sind größtenteils Rentner und zeitlich relativ flexibel“, sagt Schulze bescheiden. Besonders erfreut zeigt sich der zweimalige
„Fahrer des Monats“ über die hohe Frauenquote in dem Fahrerteam.

Den Entschluss, nach dem Berufsleben das Ehrenamt als Bürgerbusfahrer anzutreten, habe er nicht eine Sekunde bereut. Es bereitet ihm Freude, die Mitbürger zu ihren Zielen zu bringen – sei es zum Arzt, zu den Bahnhöfen oder zum Einkauf nach Posthausen. Als Belohnung ein Dankeschön von den Fahrgästen löst in Rolf Schulze wahrlich ein Glücksgefühl aus. Gerne erinnert sich der Routinier zum Beispiel an die drei Damen aus Dresden, die er mit dem Bürgerbus zum Otto-Modersohn- Museum nach Fischerhude gebracht hat. „Die waren perplex, weil sie bis dahin nicht wussten, dass es solche tollen Ehrenämter gibt und haben zehn Euro in unsere Spendendose im Bus gesteckt.“


Großes Pensum

Das Pensum, das Schulze für den Verein leistet, geht derweil weit über das Fahren hinaus. Als Fahrdienstleiter ist er zudem für den technischen und optischen Zustand der Busse verantwortlich, macht Kassenabrechnungen und hat immer ein offenes Ohr für seine Fahrerkolleginnen und Kollegen. „Seine Hilfsbereitschaft und freundliche Art zeichnen ihn aus“, lobt der Vereinsvorsitzende Henning Struckmann stellvertretend für die komplette Mannschaft und ergänzt: „Alle Ehrenamtlichen leisten viel und haben ein Dankeschön verdient. Manche kümmern sich aber besonders intensiv, zu fast jeder Tageszeit, tragen große Verantwortung und sind hilfsbereit, freundlich und menschlich zugewandt.“

Weil dies besonders auf Rolf Schulze zutrifft, hat sich der Bürgerbusverein kürzlich eine ganz besondere Aktion für seinen Leistungsträger überlegt. So hatte Dieter Laß – Sprecher der Bürgerbus-Fahrer – die Idee, dem verdienten Fahrdienstleiter eine Plattform im Fernsehen zu geben. Dort bietet das Fernsehformat „Danke“ am Sonntag ab 19.30 Uhr bei „NDR Hallo Niedersachsen“ die Gelegenheit, besondere Kollegen öffentlich hochleben zu lassen – ohne dass der Betroffene zuvor davon etwas erfährt. Redakteurin Tina Hermes nahm die Idee positiv auf, und so liefen hinter dem Rücken von Rolf Schulze die organisatorischen Vorbereitungen für den Besuch des Fernsehteams an.


Sprachloser Schulze

Und so war Schulze nahezu sprachlos, als er nach einem Fahreinsatz am Ottersberger Rathaus von zahlreichen Vereinskollegen sowie Bürgermeister Horst Hofmann mit einem Ständchen empfangen worden war. Alles vor laufender Kamera des Regionalfernsehsenders, der zuvor mit einem zweiten Kamerateam bereits eine Strecke im Bürgerbus mitgefahren war und den arglosen Schulze dabei interviewt hatte. Die Aktion war ihm zuvor als fachbezogene Reportage erklärt worden.

Den Zusammenschnitt wird der NDR voraussichtlich im Januar senden. Dann erfährt ganz Niedersachsen von Rolf Schulze, seinem besonderen Engagement – und welche Anerkennung ihm von den Ottersberger Bürgerbuslern entgegengebracht wird.

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